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Es gibt einen Ort, an dem Träume wahr werden. Und es gibt Orte, an denen sie sterben. Letzteres passiert meistens in einem Indoor-Spielplatz, irgendwo zwischen dem Geruch von tausend verschwitzten Kindersocken, ranzigem Frittenfett und einer Lautstärke, die startende Düsenjets wie ein ASMR-Video klingen lässt. Wir nennen diesen Ort „Lufti“. Genau dort war ich gestern vor einer Woche. Meine Frau tobte irgendwo mit dem Großen durch das Klettergerüst-Labyrinth. Der Kleinste war gerade eingeschlafen, also blieb ich bei ihm. Für einen kurzen Moment herrschte Frieden und deshalb griff ich in die Hosentasche. Ich habe einen Podcast gestartet, um die Geräuschkulisse etwas auszublenden, als mein Daumen ein Eigenleben startete. Völlig intuitiv – wie ferngesteuert – tippte er auf das E-Mail-Icon. Ganz oben: Eine E-Mail von André J. Ich lese die Vorschau. Und mein Magen macht einen Salto, für den man im Lufti Eintritt verlangen müsste. Da stand:
„Hallo Serge, am Anfang dachte ich ehrlich: Jo, das soll es sein? Dafür habe ich den Kurs gekauft? Mir meine Inspiration nehmen? Genau damit habe ich meinen Konsum ja immer gerechtfertigt...“
Bamm. Ein Stich direkt ins Herz. In meinem Kopf ging sofort das Katastrophen-Kino los. „Er hasst es. Er will sein Geld zurück. Ich bin ein Betrüger. Warum verkaufe ich überhaupt Wissen? Ich sollte Mönch werden.“ Ich wollte weiterlesen. Aber genau in diesem Moment riss der Kleine die Augen auf. Duty calls. Ich musste das Handy wegstecken. Und so verbrachte ich den restlichen Nachmittag zwischen Bällebad und Rutsche, während in meinem Hinterkopf nur dieser eine Satz hämmerte: „Dafür habe ich den Kurs gekauft?“ Es wurde Abend. Zuhause lief noch das übliche Chaos vor dem Zubettgehen, aber ich hielt es nicht mehr aus. Ich musste wissen, wie die Mail endet. Ich schlich mich kurz in mein Studio und öffnete Andrés E-Mail, bereit für die vernichtende Kritik. Ich las den ersten Absatz (den ich schon kannte). Dann atmete ich aus und las weiter. […]
Ich habe zum Glück schon eine gesunde Sportroutine und bin so auch in meine erste Laufrunde dieses Jahr gestartet. Früh morgens, dick eingepackt, Kopfhörer auf, Play: Aura von Kool Savas. Motivation pur. Dann kam mir dein Satz wieder in den Kopf: keine Ablenkung. Also Pause, Kopfhörer aus. Nur ich, meine Gedanken und alle paar Kilometer eine Stimme, die mir sagt, wie schnell ich war. Nebel in der Luft, es hat geschneit, der Weg wird glatt. Ich wechsle auf den Grünstreifen. Und dann dieses Geräusch, etwas, das ich ewig nicht mehr wahrgenommen habe: das Knirschen meiner Schuhe im Schnee. Ich nehme jeden Schritt bewusst wahr.
Serge, bitte, was hast du mir da gerade geschenkt? Danke dafür. Ich freue mich auf die nächsten Tage und die Metarmorphose.
Viele Grüße
André“ (den gesamten Text findest du hier) Vom Zombie, der nicht merkt, dass die Apps gar nicht mehr da sind... ... hin zu einem Mann, der allein im Schnee steht, keine Ablenkung, und einfach nur das Knirschen unter seinen Schuhen genießt. In diesem Moment fiel mir ein Stein vom Herzen. André hatte am Anfang genau das gedacht, was viele denken, wenn ich ihnen sage: „Leg das verdammte Ding weg.“ Er hatte Angst, seine „Inspiration“ zu verlieren. Und glaub mir, ich weiß genau, wie sich das anfühlt. Jahrelang hatte ich regelrecht Panik bei diesem Gedanken. „Wenn ich nicht konsumiere, habe ich keine Ideen mehr.“ Aber was André stattdessen bekam – und was ich damals bekam –, war etwas viel Wertvolleres: Sein eigenes Leben zurück. Er hat keine „Informationen“ gekauft. Er hat das Knirschen von Schnee gekauft. Er hat Zeit gekauft. Er hat seine eigenen Gedanken zurückgekauft. Und normalerweise würde ich dir an dieser Stelle jetzt einen Link hinklatschen. Ich würde dir sagen, dass du den Kurs kaufen sollst, um auch endlich wieder Schnee knirschen zu hören. Aber heute nicht. Ich poste heute absichtlich keinen Link. Kein Pitch. Kein Angebot. Warum? Weil es mir heute nur um diese Message ging. Das echte Leben ist besser als jeder Feed. Das Knirschen unter den Schuhen ist mehr wert als jedes Reel. Wenn du wirklich bereit für diese Veränderung bist... wenn du diesen Frieden wirklich willst... dann bist du clever genug, den Weg zu meinem Kurs selbst zu finden. Und wenn nicht? Auch gut. Dann genieße einfach deinen Tag (und hoffentlich ein bisschen Ruhe). Ich hoffe du bist beim nächsten Mal dabei. Sei ein Creator. Sei frei. Peace Out Rabbit. Serge Black
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Du sagst dir jeden Morgen, dass du heute anfängst. Und dann passiert... nichts. Dabei kann es eine Version von dir geben, die abends mit absolutem Stolz und reinem Gewissen in den Spiegel schaut. Hör auf, nach dem einfachen Weg zu suchen. Es gibt keinen. Übernimm die volle Verantwortung und werde zum Creator deines Lebens.